Alltagsbewältigung und Tipps fürs Leben
Hallo ihr Lieben,
da der Alltag nicht immer einfach ist und so manche Entscheidung Veränderungen -sowohl negative als auch positive- mit sich bringen kann, haben wir uns entschlossen unseren kleinen Australienblog um ein paar Themen zu erweitern. Wie ihr wisst, bin ich Ergotherapeutin (könnte man auch als Alltagstherapeutin beschreiben) und arbeite zurzeit nur passiv in meinem Beruf, da es mir die australischen Gesetze leider nicht erlauben hier als OT zu arbeiten. Ich hätte die Chance auf eine Anerkennung, müsste dafür aber mindestens einen 4- jährigen Bachelor machen (ja, der Bachelor in Australien dauert 4 Jahre), was sich weder von der Zeit lohnt, noch bezahlbar ist. Deshalb möchte ich euch hier einfach ein paar Anregungen zum Lesen geben, da es mir durch meinen aktuellen Schreibtischjob manchmal doch sehr fehlt Menschen aller Altersklassen mit ihren verschiedenen Einschränkungen und Krankheiten aktiv zu helfen.
Vielleicht kann ich so dem Ein oder Anderen behilflich sein, ein Lächeln ins Gesicht zaubern oder einfach durch das Lesen meiner Einträge Langeweile vertreiben😉
Ich habe mir überlegt über verschiedene Alltagsthemen in Bezug auf mein Leben, Erwachsene und Kinder zu schreiben und ab und zu ein paar therapeutische, aus dem Leben oder meiner Erfahrung gegriffene Tipps zu geben.
Also wenn ihr Lust habt, schaut vorbei und begleitet uns auf unserer Reise in Australien und dem deutsch-australischen Alltag 😊
2. Ständiges Nachdenken und was man dagegen tun kann
Inhalt
1. Ein großer Schritt bis ans andere Ende der Welt - Wie es dazu kam und Tipps zur Vorbereitung2. Ständiges Nachdenken und was man dagegen tun kann
Ein großer Schritt bis ans andere Ende der Welt - Wie es dazu kam und Tipps zur Vorbereitung
Jeder
Mensch hat Träume und Wünsche und manchmal sind es nicht nur
Kleinigkeiten, wie zum Beispiel ein Stück Schokolade, ein Spielzeug,
Sonne statt Regen oder die Sehnsucht nach Urlaub. Nein, oft sind es
große, für die meisten Menschen nicht umsetzbare Träume, wie genug Geld
haben, ein eigenes Haus bauen, eine Familie gründen, eine Weltreise
machen, ein schickes Auto fahren und so weiter. Diese Liste könnte ich
jetzt unendlich fortführen, aber ich denke jeder Einzelne von euch weiß,
was er eigentlich will.
Viel zu oft durchlaufen wir den immer
wieder
gleich ablaufenden und manchmal sogar eintönigen Alltag und vergessen
dabei ganz und gar auf unsere Wünsche zu achten und diese umzusetzen.
Manchmal haben wir sogar Ausreden oder Kompensationsstrategien in Form
von "Ich habe kein Geld", "Ich kann meine Familie jetzt nicht im Stich
lassen" oder "Ich bin zu alt dafür". Ja, auch ich habe anfangs so
gedacht. Meine größte Sorge war das Geld und dazu noch Familie und
Freunde im Stich zu lassen. Über den Aspekt, dass unsere Beziehung ja
auch während des Australienaufenthaltes kaputt gehen könnte, habe ich
mir weniger Gedanken gemacht, da ich wusste, dass ich jederzeit zurück
zu meinen Freunden und meiner Familie fliegen kann, auf die immer
Verlass ist. Existenzängste spielten jedoch eine große Rolle für mich,
da man als Therapeut in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern auf
der Welt nicht wirklich viel verdient (wie eventuell der Ein oder Andere
gerade den Medien entnehmen kann #Therapeutenamlimit) und ich somit
keine große Reserve hatte. Einfach ausgedrückt, war ich während unserer
Vorbereitungen und am Anfang unseres Australienabenteuers so ziemlich
von Matze abhängig, was absolut nicht leicht ist, wenn man eine
unabhängige Frau sein möchte.
Dazu kam noch, dass sich einige
Menschen in meinem Umfeld Sorgen machten in Bezug darauf, mein Leben
inklusive zufriedenstellendem Job, einer super Wohnung, toller Umgebung,
absolut tollen Freunden und einer liebenswerten Familie einfach so
aufzugeben, um abhängig von einem Mann zu sein und gemeinsam mit ihm,
arbeitslos und ohne Unterkunft, ans andere Ende der Welt zu gehen. Ja,
ich selber machte mir auch Sorgen, vor allem weil ich absolut nicht
wusste was kommt und normalerweise ein Mensch bin, der sich gerne
absichert, bevor er einen so großen Schritt wagt. Deshalb hatten wir
auch vor unserer Abreise immer mal wieder kleinere Diskussionen, da
meine Laune doch sehr schwankte, ich mir plötzlich nicht mehr sicher war
und ich das Ganze vielleicht manchmal ein wenig zu negativ sah. Es ist
nämlich sehr schwer für mich, die Zukunft einfach so auf mich zukommen
zu lassen😉
Dazu muss man sagen, dass Matze bereits wusste, ab
wann er an die Uni gehen wird und quasi im Voraus eine feste Struktur
hatte. Ich hingegen wusste nicht, wie lange es dauert oder ob ich
überhaupt einen Job finden würde. Es ergaben sich also Fragen über
Fragen und mit jeder Frage wurde ich unsicherer. Viele meiner Fragen
erledigten sich jedoch nach und nach und das Auswandern ans andere Ende
der Welt nahm seinen Lauf (näheres zu Wohnung und Job könnt ihr in
unseren Australien Beiträgen lesen).
Aber wie kam es überhaupt dazu, einfach mal vorübergehend nach Australien auszuwandern?
In
jeder Beziehung gibt es ab und zu ernstere Gespräche über das
alltägliche Leben, Abläufe, Komplikationen oder die Zukunft. Da unser
Alltag ziemlich durchstrukturiert und gesichert war und wir, wie bereits
erwähnt, feste Jobs und eine schöne Wohnung hatten, fragt man sich
irgendwann natürlich, wie es eigentlich weitergehen soll. Besonders als
Frau hat man eine innere Uhr oder einen Wecker, der plötzlich angeht und
sagt "Los jetzt, es ist Zeit für Hochzeit, Kinder und Hausbau!" Ich
denke, die Frauen unter euch wissen, was ich meine. Männer hingegen
sehen das Ganze meistens ein bisschen entspannter und orientieren sich
mehr Richtung Karriere und Leben genießen, bevor der Ernst des Lebens
losgeht.
So ergab sich also die typische Mann-Frau-Diskussion mit der Zukunftsfrage.
Diese
Frage ist jedoch nicht immer zu beantworten, da keiner weiß, was in der
Zukunft tatsächlich passiert. Das Leben kann sich jederzeit schlagartig
ändern. Deshalb hat Matze auch das Motto "Wir leben im Hier und Jetzt".
Wir sprachen also eine Weile und kamen zu dem Entschluss, bevor es noch
ernster wird einen gemeinsamen Traum -eigentlich sogar mehrere
aufeinmal- zu verwirklichen. In Matzes Fall war das seinen Master of
Business Administration zu machen und in Australien zu leben und in
meinem Fall, war es irgendwo im Ausland am Meer zu leben und zu
arbeiten. Dies passte perfekt zusammen, auch wenn ich dafür meine
typischen Frauenwünsche eine Zeit zurückstellen muss. Aber die von euch
-die bereits Kinder haben- wissen, dass sobald diese erstmal da sind,
man all seine Wünsche automatisch zurückstellt, da ein Kind ein ganz
besonderes Glück ist, für das man versucht, alles zu geben.
Also entschieden wir uns gemeinsam das Leben noch eine Weile zu genießen und unsere Träume zu verwirklichen.
Und
trotz all meiner Fragen, Sorgen, Ängste, Höhen und Tiefen - dazu, und
was in solchen Situationen hilft, gibt es im nächsten Beitrag mehr - ,
bin ich sehr stolz auf uns, dass wir diesen Weg gemeinsam gegangen sind.
Und dank Social Media und einer Handyflatrate mit
internationalen Freiminuten sind wir ja zum Glück auch nicht ganz so
abgeschnitten von euch 😉
Zusammenfassend kann ich
bis hierhin sagen, dass ich definitiv die richtige Entscheidung
getroffen habe, auch wenn der Alltag manchmal nicht ganz so einfach ist.
Musik
hören hilft mir übrigens auch sehr manche Situation durchzustehen.
Deswegen hier ein Songtipp, der mich aktuell immer mal wieder aufbaut,
wenn ich Familie und Freunde vermisse oder mal ein kleines Tief habe.
Zum Schluss noch ein paar Tipps, was man eigentlich beim Auswandern so beachten muss:
- Visa (Aufenthaltsgenehmigung)- Informationen einholen und beantragen, hierfür braucht man einen gültigen Reisepass und ggf. noch weitere Dokumente. Was genau benötigt wird, findet man auf den Internetseiten der entsprechenden Länder.
- genügend Rücklagen,ein Stipendium oder eine Organisation, je nachdem, ob man work and travel machen, studieren oder arbeiten möchte
- Aus Deutschland abmelden! Könnte sonst (je nachdem wie lange ihr bleibt) teuer werden, da Sozialversicherung und Krankenversicherung weiterbezahlt werden müssen. (Außer ihr habt jemanden, der euch finanziell unterstützt)
- Versicherungen und Verträge (Telefon, Internet, GEZ usw.) rechtzeitig kündigen, still legen oder darüber informieren, dass man sich für eine bestimmte Zeit im Ausland befindet.
- Wohnung rechtzeitig kündigen. Hier bietet es sich an einen Nachsendeauftrag bei der Post anzumelden und eine alternative Adresse (z.B. die eurer Eltern) anzugeben, damit die Post dorthin geschickt wird.
- Job kündigen und am Besten offen mit dem Arbeitgeber über Euer Vorhaben reden. Manchmal öffnen sich dadurch neue Türen, wie finanzielle Unterstützung oder statt Kündigung, nur Freistellung, so dass man nach dem Aufenthalt jederzeit zurückkommen kann.
- Flüge und Unterkunft für die ersten Tage buchen
Ständiges Nachdenken und was man dagegen tun kann
Ein Umzug nach Australien und dazu noch direkt ans Meer klingt
zunächst erstmal positiv und sehr paradiesisch. Was könnte einem
Besseres passieren als da zu leben, wo andere Urlaub machen und jede
Menge Zeit zu haben dieses wundervolle Land zu erkunden.
Doch,
wenn man erstmal diesen Schritt in das wunderschöne Paradies gewagt hat,
wird man ab und zu ins kalte Wasser geschmissen und lernt ziemlich
schnell, dass man vor den Höhen und Tiefen des Lebens nicht weglaufen
kann, ganz egal wie schön es im Paradies ist😉
Genauer bedeutet
das, dass ich pötzlich ganz viel Zeit zum Nachdenken über mich und meine
Zukunft hatte. Es ergaben sich Fragen wie: Mache ich das Richtige? Was
passiert, wenn ich keinen Job finde? Wie lange reicht das Geld? Wie
komme ich mit der Kultur, den Menschen und der Sprache klar? Ja, vor
allem die Sprache machte mir Angst, da ich tatsächlich nicht die beste
Schülerin in Englisch war und meine Englischlehrerin einmal zu mir
sagte: "Denise, dein Englisch ist nicht so gut!" - Sowas sitzt natürlich
tief und fest und hat in meinem Fall so einige Ängste hervorgerufen und
das Selbstbewusstsein so richtig schön runtergezogen. Aber hey, ich
gehe ja den Weg aus freien Stücken, also musste ich da wohl durch.
Anfangs habe ich mich tatsächlich auch ein bisschen gedrückt, da ich
wusste, dass Matze bereits super Englisch spricht. Also warum nicht
einfach ihn alles organisieren lassen?😜
Meine Strategie hat
sogar tatsächlich funktioniert bis ich eines Tages einen
Erste-Hilfe-Kurs machte und das erste Telefoninterview bezüglich eines
Jobs anstand. Der absolute Horror für mich und zack geht es im Kopf
wieder los und ich malte mir die tollsten Gedanken aus. Was mache ich,
wenn ich nichts verstehe oder mich blamiere? Was denken die Leute von
mir? und so weiter. So ungefähr könnt ihr es euch vorstellen, wenn man
plötzlich einfach unendlich viel Zeit hat, sich mit sich selber, statt
mit kranken oder eingeschränkten Kindern und Erwachsenen, zu
beschäftigen. Ich kam dadurch immer wieder in eine Nachdenkschleife, die
manchmal einfach nicht enden wollte, egal wie sehr ich es versuchte.
Dazu müsst ihr noch wissen, dass ich einfach schon immer ein
Sensibelchen und ein Nachdenker war. Obwohl ich als Ergotherapeutin und
Neurofeedbacktherapeutin so einige Entspannugsmethoden gelernt habe und
eine gewisse Ausbildung im psychischen Bereich habe, stelle ich jedoch
immer wieder fest, dass es viel leichter ist anderen Menschen zu helfen
statt sich selbst.
Obwohl ich tief im Inneren weiß, wie ich das
ständige Nachgrübeln stoppen kann, gelingt es mir nicht immer. Aber ich
denke ich bin da nicht die Einzige. Nachdenken gehört nunmal zu unserem
Leben dazu.
Nicht nur in meiner Situation, sondern auch im Alltag
sind Menschen heutezutage oft unter Druck oder haben Stress (vorallem in
Deutschland) , egal ob im Job, mit Kindern oder in der Schule. Auch
Kinder leiden schon viel zu früh unter viel zu hohem Druck. Da wir alle
unterschiedliche Menschen sind hat jeder seine eigenen
Bewältigungsstrategien für stressbedingte oder einsame Situationen. Eine
meiner Bewältigungsstrategien ist das ständige Nachdenken. Denkt man
aber zu viel und zu oft über alles und jeden nach, kann dies früher oder
später auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Ständiges
Nachdenken kann zu einer andauernden schlechten Laune, verminderter
Konzentration, eigeschränkter Porduktivität, innerer Angespannheit,
Müdigkeit oder Schlafproblemen führen und sowohl euch als auch eure
Familie und Freunde belasten. Schlafprobleme und anhaltende schlechte
Laune kenne ich nur zu gut und Matze war derjenige, der es gerade in
unserer Anfangszeit in Australien so lange ausbaden musste bis wir Wege
gefunden hatten, das ständige Gedankenkarussell abzuschalten.
Deswegen
möchte ich euch einfach ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wie man
das Gedankenkarussell versuchen kann zu stoppen. Vielleicht kann ja der
Ein oder Andere davon profitieren😊
- Gedankenstopp Technik. Sage laut "Stopp" sobald deine Grübelgedanken auftauchen. Klingt vielleicht ein bisschen komisch, ist aber eine offizielle Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Oder versuche dir die Momente des zu-viel-Nachdenkens bewusst zu machen und rede mit deinen Gedanken, z.B. "Jetzt ist keine Zeit für euch! Ich kümmere mich später um euch, also verschwindet." oder so ähnlich.
- Lege den Fokus auf das Lösen von Problemen. Es macht keinen Sinn ständig über vergangene Situationen nachzudenken, da man diese im Nachhinein eh nicht mehr ändern kann.
- Schreibe deine Gedanken auf. Das kann dir dabei helfen deinen Kopf zu befreien. Du kannst ein extra Notizbuch für deine Gedanken anlegen oder sie auf einen Zettel schreiben, den du hinterher in den Mülleimer werfen kannst. Gedanken wegwerfen kann ein sehr befreiendes Gefühl sein. Oder du versuchst die traditionelle Methode des Tagebuch schreibens.
- Denke positiv! Ja, ich weiß, das ist nicht immer einfach. Vor allem weil wir Menschen leider von Natur aus oft dazu neigen eher negativ zu denken. Also versuche nicht zu viel Zeit für Dinge zu verschwenden, die schief gehen könnten. Denke lieber über Dinge nach, die auf jeden Fall klappen werden.
- Versuche bewusst zu atmen. Lege den Fokus auf deine Atmung oder zähle deine Atmenzüge. Dies hilft dir Abstand von deinen Gedanken zu bekommen.
- Setze ein Zeitlimit oder binde bewusste Nachdenkzeiten in deinen Alltag ein. Diese Zeitlimits sollten je nach Größe und Wichtigkeit der Gedanken zwischen 5-10 Minuten betragen. Versuche dir diese bewussten Nachdenkzeiten möglichst nicht vor dem Schlafen gehen zu setzen.
- Lege Tablets und Smartphones vor dem zu Bett gehen zur Seite. Das Blaulicht macht dich wach und kann zu Einschlafproblemen führen. Das kann wiederum zu Grübeleien führen.
- Lerne zu entspannen. Erlerne Entspannungstechniken,wie progressive Muskelentspannung,Fantasiereisen (Anregungen gibt es dazu auch bei Youtube), Meditation oder Yoga. Diese kannst du während Nachdenkenphasen selbständig anwenden. Außerdem gibt es mittlerweile spezielle Bücher und sogar Apps.
- Spreche mit anderen Personen über deine Gedanken und Probleme. Das können Freunde oder Familienmitglieder, aber auch Professionelle wie Psychologen oder Therapeuten sein. Entscheide, wie es dir am liebsten ist.
- Denke nicht zu viel über die Zukunft nach, denn keiner weiß was die Zukunft bringen wird.
Ein Professor aus Chicago hat einmal gesagt: "Denke nicht zu viel nach, denn du kennst die Antwort längst. " Und wenn wir ehrlich sind, hat er gar nicht mal so unrecht😉
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