Review of the first Trimester at UoN

Im ersten Trimester standen überwiegend Grundlagen-Kurse auf dem Plan. Während der vorgeschlagene Plan für internationale Studenten nur zwei Kurse im Plan hatte, weil man ja noch neu im australischen Studiensystem und auch der anderen Sprache ist, belegte ich drei Kurse, mit dem Hintergedanken bei vier Trimestern mit drei Kursen ein Trimester früher fertig zu sein. Von den insgesamt 12 Kursen sind dabei 6 Kurse vorgegeben und 6 kann man aus einer Liste von etwa 70 Kursen frei wählen. In diesem ersten Trimester belegte ich Marketing (Vermarktung) und Accounting (Buchhaltung) von den Pflichtkursen und Global Business Management als ersten Wahlkurs. Was alle Kurse gemein haben, ist dass sie eine Begleitlektüre zu den Vorlesungen vorgeben, in der dann passend zum jeweiligen Vorlesungsthema noch mal ausführlicher (auf 30-40 Seiten) nachgelesen werden kann. Das war mitunter eine der größten Umstellungen zum meinem deutschen Ingenieursstudium, in dem man vorwiegend in den Vorlesungen mit Inhalten aus einem meist vom Professor vorbereiteten Skript überhäuft wurde. Im MBA stand eher das Selbststudium im Vordergrund. So viel zu lesen war natürlich eine Umstellung, die aber verkraftbar war bei lediglich 3 mal 3 Stunden Vorlesung in der Woche. Die andere Umstellung waren die Hausarbeiten. Während es bei meinem Mechatronik-Studium am Ende eine Klausur gab, von der alles abhing, gibt es an der University of Newcastle in jedem Kurs zusätzlich zur Abschlussprüfung 2-3 Hausarbeiten zu erledigen, die zum Teil auch als Gruppenarbeiten zu absolvieren waren. Mein Vorlesungsplan sah dabei wie folgt aus und im Rest des Beitrags fasse ich grob meine Highlights aus den jeweiligen Inhalten zusammen. 

Marketing

Bevor ich diesen Kurs belegt hatte, war mein Interesse an Marketing relativ gering, weswegen ich vorher diesen Kurs auch eher als Last als Erfahrungsgewinn angesehen hatte. Währenddessen und auch über einen längeren Zeitraum rückblickend (vom Dezember 2018 her) wurde ich allerdings positiv überrascht wie vielfältig anwendbar doch die Inhalte sind. Am Anfang hatte ich mit Marketing vorrangig Werbung in Verbdindung gebracht, aber nicht nur bei Werbung selbst sondern auch bei den Prozessen, die mit der Vermarktung eines Produkts in Verbindung stehen, war ich überrascht, wie viel Psychologie doch dahinter steckt (wofür ich mich ohnehin interessiere). 
Das herausragende Highlight aus diesem Kurs ist deshalb, dass eigentlich alles rund um die Verpackung, den Produktnamen, das Logo, die Platzierung im Regal, die Auswahl der Vertriebspartner und letztlich der Preis dazu dient ein bestimmtes Image des Produkts oder der Marke aufzubauen, um sich mit einer bestimmten Käufergruppe zu verbinden, die sich davon wiederum angesprochen fühlt und folglich (idealerweise) das Produkt kauft. Die Psychologie (Persönlichkeit, Werte, Entscheidungsprozesse) hinter diesen ganzen Aspekten oder die uns dazu bewegt dann etwas eher zu kaufen als etwas anderes war das interessanteste, was man folglich auch für vielfältige andere Bereiche verwenden kann. 
Die Hausarbeiten in diesem Kurs waren sehr praktisch angelegt. So gab es zunächst eine Gruppenarbeit, in der man als Gruppe das interne sowie externe Marktumfeld einer Firma analysiert hat (bei uns war das Blackberry), um dann in der darauf aufbauenden individuellen Hausarbeit einen neuen Marketing-Plan (Produkt, Preis, Platzierung, Werbung) vorzuschlagen.

Accounting

Accounting war bisher das Fach, was noch am nächsten an den Inhalten von meinem Mechatronik-Studium lag. Es ging nämlich vorwiegend darum Berechnungen anzustellen, bzw. nach vorgegebenen Schemas finanzielle Reports (Balance-Sheets / Income Statements / etc.) zu erstellen und aus diesen dann wiederum mit Hilfe von bestimmten Verhältnis-Berechnungen eine Aussage über den finanziellen Standpunkt einer Firma machen zu können. 
Das Highlight hierbei war Wissen zu erlangen, wie man finanzielle Reports erstellt und auch liest. Wer hat nicht schon einmal den Jahresbericht seiner eigenen Firma gesehen und sich gedacht, hmm interessant, aber keine Ahnung was mit diese Zahlen sagen sollen oder ob das nun gut oder schlecht ist. In den Medien können Firmen schließlich viel positives über sich berichten oder auch Dinge verschleiern. In finanziellen Reports geht das zwar auch noch, ist aber dank internationaler Standards etwas schwieriger, bzw. manche Dinge müssen dabei einfach offen gelegt werden. Letztlich hilft einem das grundlegende Wissen von den finanziellen Prozessen im Hintergrund einer Firma auch dabei, bestimmte Entscheidungen (z.B. für oder gegen neue Projekte) aus einem anderen Licht zu sehen. Faszinierend an der Kombination aus Marketing und Accounting in einem Trimester war, dass diese beiden Berufsgruppen sich in der Regel nicht so gut verstehen. Das Markerter braucht schließlich viel Geld für Dinge, dessen Effekt der Buchhalter nachher meist nicht wirklich messen kann (z.B. Fernseh-Werbung). 
In diesem Kurs gab es ein Quiz mit Fragen ähnlich der Abschlussprüfung und eine Gruppenarbeit in der eine finanzielle Analyse einer Selbst gewählten australischen Firma (in unserem Fall die Airline Qantas) erstellt werden musste und diese dann auch noch präsentiert werden musste. Mein Gruppe in diesem Kurs bestand dabei aus den chinesischen Mit-Studenten, die ich am Orientation-Day kennenlegelernt hatte. Die Schwierigkeiten, die sich beim Unterhalten schon zeigten, spiegelten sich dann auch in deren schriftlichen Fähigkeiten wieder. Um es kurz zu fassen, obwohl ich vorwiegend für Einleitung, Zusammenfassung und den grammatikalischen Feinschliff zuständig war, hatte ich am Ende relativ viel Arbeit einzelne Teile auch inhaltlich zu überarbeiten. Wer de Übersetzungskünste vom Google-Übersetzer kennt, kann sich ungefähr vorstellen, was das heißt 😅 Aber wie es so schön von der Universität aus verkauft wird, entwickelt man bei Gruppenarbeiten mit einem vielfältigen kulturellen Hintergrund wertvolle interpersonelle Skills, um das ganze wieder positiv darzustellen.

Global Business Management

Dieser Kurs war bei der Einschreibung wie auch das ganze Trimester über mein Favorit. Das vorangige Ziel dieses Kurses war nämlich verschiedene Bereiche von Business Management zunächst generell und auf wissenschaftlicher/theoretischer Basis zu beleuchten und in einen globalen Kontext zu setzen, indem die Herausforderungen diesbezüglich beleuchtet wurden. Die verschiedenen Bereiche waren dabei unter anderem Organisations-Sturkur und Veränderung, Personalwesen, Business Prozesse, Wissens-Management, Operations und auch Buchhaltung und Marketing.
Das Highlight hierbei war die Art wie die Vorlesungen und auch Themen aufgebaut waren. So gab es in jeder Vorlesung eine passende Fallstudie, die jeweils von einer Gruppe analysiert und präsentiert werden musste. Der Ansatz hierbei war, dass die Gruppen aus der Sicht von Management-Beratern agieren sollten, um der jeweiligen Firma auf Basis der gelernten Theorien Verbesserungsvorschläge zu machen. Meine bisherige praktische Erfahrung kam mir dabei zu gute, um Situationen zu bewerten, aber auch um die Theorien rückblickend auf meine Zeit bei meinem vorherigen Arbeitgeber zu reflektieren. Das legte an vielen Stellen immer wieder gut auf wissenschaftlicher Basis dar, wieso manche Dinge da nicht so gut liefen und was anders oder besser gemacht werden müsste. Um nur ein Besipiel zu nennen, der Bereich Personalwesen umfasst nicht nur die Auswahl (bei der auch mehr berücksichtigt werden kann) und Einstellung der Mitarbeiter, sondern auch die aktive Betreuung und Weiterentwicklung des eingestellten Personals.
Die Hausarbeiten in diesem Kurs waren eine individuelle Analyse einer Fallstudie in der man eine bestimmte Handlung einer Firma aus den Perspektiven der Struktur, Personalwesen und Veränderung aus Sicht des CEOs analysieren sollte und eine Gruppenarbeit ähnlich wie in Accounting, in der eine selbst gewählte Firma (bei uns Ramsay Healthcare) aus sechs verschiedenen Perspektiven analysiert und Verbesserungsvorschläge gemacht werden sollten. 

Abschlussprüfungen

Die Abschlussprüfungen liefen alle sehr formal ab. Die Professoren durften hierbei nicht dabei sein, um Fragen zu beantworten. Stattdessen stellte die Uni bestimmtes Personal ab, dass den Prüfungsprozess betreute. Man wurde allerdings mehr als gut auf die Prüfungen vorbereitet, da in jedem Fach in der letzten Vorlesung nochmal der gesamte Stoff der 11 Wochen grob wiederholt wurde und auch die Prüfung einer vorhergehenden Jahrgangss besrochen wurde. Während den Prüfungen wird an der University of Newcastle sehr viel wert darauf gelegt, betrügen zu unterdrücken. So wurde zum Beispiels jedem ein bestimmter Tisch zugewiesen, Wasserflaschen mussten durchsichtig und ohne Etikett sein und auch der Gang auf die Toilette war bewacht. Darüber hinaus stellt die Universität Hefte in denen dann die Antworten geschrieben werden. Für mich persönlich war das viele Schreiben in den Abschlussprüfungen noch eine Herausforderung. Im letzten Jahr an der Arbeit hatte ich bereits meine Notizen alls auf One-Note umgestellt, sodass der anteil von handschriftlichen Notizen nur noch marginal war. In den Klausuren musste ich dann allerdings 2-3 Stunden (je nach Fach) unter Zeitdruck schnell und auch noch lesbar schreiben. Der ein oder andere Hannd-krampf war mir also sicher 😅


Alles in allem war bereits dieses erste Trimester mit seinen einleitenden Kursen unglaublich wertvoll und weckte die Lust auf mehr, sodass ich die Entscheidung aus Sicht des Studiums noch einmal aus dem Arbeitsleben zurück ins Studentenleben zu gehen definitiv nicht bereue. Was noch positiv hervorzuhaben ist, ist die Geschwindigkeit des Korrigierens von Klausuren und Hausarbeiten. Den Professoren stehen hierbei nur 2 bis maximal 3 Wochen Zeit zur Verfügung. Bei den letzten Hausarbeiten muss die Note dabei definitiv vor der Abschlussprüfung vorliegen, damit die Studenten ein Gefühl haben wie viel der restlichen Punkte noch erreicht werden muss :-) Da kann sich Deutschland definitiv eine Scheibe von Abschneiden. Ich habe am Ende dieses ersten Trimesters einen "Distinction"-Schnitt mit 82% erreicht. Die deutschen Unis sind sich nicht ganz einig, wie das am schlausten umzurechnen ist, es geht aber meist in den Bereich zwischen 1,5 und 2,0. Aber damit soll erstemal genug Berichten vom Uni-Leben sein. Den nächsten Beitrag gibt es dann Anfang Dezember am Ende des zweiten Trimesters.

Im nächsten Beitrag geht es dann endlich in unseren ersten Urlaub nach Airlie Beach bei den Whitsunday Islands in Queensland.  Ohne zu viel zu versprechen, es gibt jede Menge atemberaubender Bilder 😋

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